9. Tandemtag am 7. Mai 2016

Tandem-Tag geht auch im Hochsommer

Gnadental. Eigentlich gab es nur zwei Menschen, die ein bisschen verdrießlich dreinschauten an diesem sonnigen Samstagmittag auf Gut Gnadental: Gerd Motes und Heinz Hilgers. Der Trainer des KSK Konkordia Neuss, weil seine jungen Schützlinge ihre Vorführung abbrechen mussten, weil es bei hochsommerlichen Temperaturen auf den Ringermatten unangenehm heiß wurde für ihre nackten Schultern. Von Volker Koch (Text) und Andreas Woitschützke (Fotos)

Und der Präsident des Deutschen Kinderschutz-Bundes, weil ihn Hausherrin Jutta Zülow erst jetzt zur neunten Auflage des Tandem-Tages eingeladen hatte: „Da wäre ich gerne schon öfter dabei gewesen. Das hat nämlich Spaß gemacht“, bekannte der Dormagener Alt-Bürgermeister nach der morgendlichen Ausfahrt mit dem Tandem an der Erft entlang zum Nixhof, wo Marlies Klüter die zwei Dutzend Teilnehmer, unter ihnen Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und der schon mit dem Fahrrad angereiste Neusser Bürgermeister Reiner Breuer, mit einem zweiten Frühstück begrüßte.

In den Augen von Heinz Hilgers zeigte das integrative Sportfest der „Tandem-Stiftung Burkhard Zülow“, in dessen Verlauf wieder Hunderte Menschen zum Schauen und Ausprobieren auf das historische Gut an der Erft und seine umgebenden Anlagen pilgerten, „dass Integration und Inklusion wirklich gelebt werden müssen, damit sie erfolgreich sind. Das geht nicht per Verordnung.“

Verordnen musste man niemandem etwas an diesem Samstagmittag. Höchstens mal ein Ruhepäuschen im spärlichen Schatten, denn die hochsommerlichen Temperaturen, die über Mittag bis auf 28 Grad kletterten, forderten nicht nur von den jungen Ringern ihren Tribut, sondern brachten Aktive mit und ohne Handikap gehörig ins Schwitzen. „Gut für den Getränkeumsatz“,zeigte sich Organisationschefin Sylvia Schlesak hocherfreut – schließlich kommt der gesamte Erlös der Veranstaltung inklusive der reich bestückten Tombola dem ganzjährigen Trainings- und förderungsprogramm der Tandem-Stiftung zu Gute.

Zwei Projekte erhielten ihre Förderschecks gleich vor Ort: Die integrative Fußballmannschaft des BV Weckhoven um ihren rührigen Initiator Markus Bausch, damit sie zu einem Turnier in die Schweiz fahren kann. Und die „Handikaps“, die geistig behinderten Tennisspieler des TC Grün-Weiss Neuss als Zuschuss für ihre Teilnahme an den Special Olympic Games in Hannover. „So viel Geld, das ist ja klasse“, freute sich Boris Becker, als Teamchef Helmut Kloubertz ihm und seinen Teamkollegen den Betrag verriet. Dass sie für die nationalen Spiele bereits gut in Form sind, zeigten auch die Spieler des GWN-Teams um Oliver Burbach beim gemeinsamen Training mit den besten Tischtennisspielern des Rhein-Kreises Jana Vollmert, Miriam Jongen (beide DJK Holzbüttgen), Michael Servaty und Sebastian Schwarz (beide TG Neuss).

Später wurden die „Profis“ an der Platte von Klaus Nickl abgelöst. Der ist Pfarrvikar auf der Neußerfurth und kennt einige der GWN-Spieler noch aus ihrer Messdienerzeit. „Ich bin extra vorbeigekommen, um mit ihnen ein paar Bälle zu spielen“, erklärte Nickl, der weiß: „Als Pfarrer musst du nicht alles können – aber Tischtennisspielen.“

Hausherrin Jutta Zülow freute sich nicht nur über den „geistlichen Beistand“, sondern auch über viel Prominenz unter den Besuchern, angeführt von Bundes-Gesundheitsminister Hermann Gröhe. „Um gesund zu bleiben, gibt es nichts Besseres als Bewegung und gesunde Ernährung“ – ob er mit diesem Satz auch das reichhaltig bestückte Kuchenbuffet meinte, blieb offen. Dass an diesem zwischenzeitlich auch Thomas Schütz, der Leiter Leistungssportförderung im Rhein-Kreis, bediente, war ein Stück Integration der speziellen Art – beim Tandem-Tag packen alle mit an.

Quelle: NGZ

8. Tandemtag am 2. Mai 2015

Tandem-Tag wird zum Familienfest

Neuss. Friedhelm Julius Beucher kam aus dem Staunen nicht heraus: „Ich dachte, das sei ein kleines Sportfest am Rande von Neuss.“ Stattdessen fand der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes den 8. Tandem-Tag auf Gut Gnadental „einfach überwältigend. Hier wird das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten wirklich gelebt.“ Von Volker Koch

Der 68-Jährige, von 1998 bis 2002 Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, war am Samstag zum ersten Mal zu Gast beim integrativen Sportfest der Tandem-Stiftung Burkhard Zülow. Hans-Jürgen Petrauschke ist dort Stammgast. Trotzdem brachte das Geschehen auf und rund um Gut Gnadental den Landrat des Rhein-Kreises, der am Morgen wie in jedem Jahr selbst kräftig in die Tandem-Pedale getreten hatte, gleichfalls zum Staunen: „Der Tandem-Tag ist ein richtiges Familienfest geworden.“

In der Tat: Es geht familiär zu in den sechs Stunden zwischen dem Start der Tandem-Ausfahrt und dem Ende der mit attraktiven Preisen bestückten Verlosung. Man kennt sich, und das seit Jahren. Ingo Wolf, von 2005 bis 2010 Innenminister des Landes NRW, war eigens aus Euskirchen gekommen, um in einem der 14 Tandems Platz zu nehmen. Doch die Polit-Prominenz, zu der sich auch Lutz Lienenkämper MdL gesellte, stand keineswegs im Mittelpunkt.

Dort standen alle, die eines aus dem guten Dutzend Sportangebote ausprobieren wollten. Vor allem die geistig Behinderten aus den Schulen, betreuten Wohneinrichtungen und Vereinen des Rhein-Kreises, für die der Tandem-Tag gedacht ist. „Das ist mit keiner anderen Veranstaltung vergleichbar“, sagt Helmut Kloubertz, Vorsitzender des TC Grün-Weiss Neuss, bei dem die „Handikaps“ genannten Tennisspieler seit zehn Jahren ein Zuhause haben. Dort nehmen sie am normalen Vereinsbetrieb teil, freuen sich bereits auf ihr „Unified-Turnier“ am 23. Mai, bei dem Aktive mit und ohne Handikap in gemischten Doppeln gegeneinander antreten. „Das ist auch der Grundgedanke des Tandem-Tags“, sagt Hausherrin und Stiftungs-Chefin Jutta Zülow, „wir wollen die Behinderten aus ihrem Ghetto rausholen.“ Das gelang, ob beim wie stets im Elfmeterschießen entschiedenen Fußballspiel, beim Tischtennis-Training der GWN-Cracks mit Jana Vollmert und Miriam Jongen aus dem Regionalliga-Meisterteam der DJK Holzbüttgen, beim Rollstuhl-Basketball mit den Cologne 99ers, beim Voltigieren auf der Obstwiese, wo der getreue Tobi sich auch vom im Wettkampf sonst unüblichen Beifall der Zuschauer nicht ablenken ließ, oder bei der Tanzeinlage mit Spontangast Roman Frieling.

Solch ein Miteinander strebt auch Friedhelm Julius Beucher in seinem Verband an: „Egal, ob Para- oder Special Olympics, das wichtigste ist, wir bringen Menschen in Bewegung.“ Beim 8. Tandem-Tag wurde dieses Ziel erreicht, auch wenn Organisationschef in Sylvia Schlesak einräumte: „Ich hätte mir ein paar Besucher mehr gewünscht.“ Doch dafür war die Terminkonkurrenz an diesem ersten Mai-Wochenende offensichtlich zu groß.

Selbst Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, war schlichtweg begeistert: Der 8. Tandem-Tag auf Gut Gnadental übertraf bei Traumwetter am Samstag alle Erwartungen.

Quelle: NGZ

Impressionen vom Tandem-Tag: Friedhelm Julias Beucher mit Moderator Volker Koch und Hausherrin Jutta Zülow (o.l., v.l.), Bernd Müller beim Radeln (u. l.), Judo, Kanu mit Musikbegleitung, Ponyreiten und Tischtennis (von oben im Uhrzeigersinn).

FOTOS: Andreas Woitschützke (WOI)

7. Tandemtag am 3. Mai 2014

6. Tandemtag am 4. Mai 2013

5. Tandemtag am 5. Mai 2012

„Regen? Welcher Regen denn?“

Von Volker Koch – Neuss.  Dauerregen und Temperaturen im einstelligen Bereich konnten dem 5. Tandem-Tag der „Burkhard Zülow-Stiftung“ nichts anhaben: 500 Gäste ließen aus dem integrativen Sportfest auf Gut Gnadental ein kleines Volksfest werden. Den behinderten Sportlern machte das Wetter am wenigsten aus.

Irgendwann gegen Mittag klappte Jutta Zülow energisch den Schirm zu und stellte ihn demonstrativ in die Ecke. „Regen? Welcher Regen denn?“ beschied die Vorsitzende der „Tandem-Stiftung Burkhard Zülow“ all jene, die sich mit besorgter Miene bei der 60-Jährigen erkundigten, ob ihr der seit Stunden ohne Unterlass fallende Niederschlag nichts ausmache.

Jutta Zülow traf damit genau die Stimmungslage von all denen, für die sie und ihre drei Dutzend Mitstreiter, viele davon aus dem eigenen Unternehmen, den „5. Tandem-Tag“ auf und um Gut Gnadental veranstaltet hatten: den Sportlern aus den Behinderteneinrichtungen und Schulen für Lernbehinderte. Ihnen machte das miese Mai-Wetter am allerwenigsten aus, sie ließen sich den Spaß an Spiel und Bewegung weder von der Nässe noch von Temperaturen im einstelligen Bereich verderben.

Zumal die Tandem-Organisatoren mit der trotz Erkältung bienenfleißigen Sylvia Schlesak an der Spitze am frühen Morgen die sich als weise herausstellende Entscheidung getroffen hatten, den größten Teil des Programms vom Innenhof in die Tagungsräume des Guts zu verlegen. „Dann rücken wir halt ein bisschen zusammen“, gab Marga Schmitz, Trainerin der integrativen Judogruppe bei der TG Neuss, das Motto des Tages aus, als sie unversehens ihre Judomatten in unmittelbarer Nähe zu den hölzernen Voltigierpferden des RSV Grimlinghausen wieder fand.

Eng war’s, doch auch die (zu) niedrige Decke hielt die Tischtennisspieler des frischgebackenen Oberligameisters TG Neuss um Teamkapitän Bernd Forelle nicht davon ab, den sich auf die „Special Olympics National Games“ vorbereitenden Disziplinkollegen der GWN eine Trainingsstunde zu geben. Die hatten zuvor mit einem Fackellauf auf die am 21. Mai in München startenden Spiele, mit 5000 Teilnehmern in diesem Jahr das größte Sportereignis in Deutschland, hinzuweisen. Vorneweg Dirk Fink, der sein Ziel klar definierte: „Ne Medaille will ich schon.“

Gestern zog Jutta Zülow eine neben der guten Stimmung zweite erfreuliche Bilanz: Der ob der Witterung befürchtete Rückgang an Erlösen aus Verkauf und Verlosung blieb aus. Im Gegenteil: „Wir haben mehr eingenommen als bei dem Super-Wetter im Vorjahr“, strahlte die Tandem-Chefin. Schließlich fließen alle Einnahmen und Spenden in den Sportbetrieb der Tandem-Stiftung. Und wer sehen wollte, ob die jährlich rund 40 000 Euro gut angelegtes Geld sind, brauchte am Samstag nur in die Augen der Kanuten, Voltigierer oder Tandem-Radler zu blicken – sie strahlten mit denen von Jutta Zülow um die Wette: Den Regen – welchen Regen? – blendeten sie einfach aus.

Quelle: NGZ

FOTO: Andreas Woitschützke (WOI)

4. Tandemtag am 7. Mai 2011

Tandem-Tag wird zum Volksfest

Neuss.  Es lag nicht allein am sommerlichen Wetter, das die vierte Auflage des Tandem-Tags auf Gut Gnadental ihre Vorgänger in den Schatten stellte. 700 Besucher und die gelungenen Vorführungen der behinderten Sportler sorgten einen Tag lang für Volksfestatmosphäre.

Fritz Beikirch staunte: „So viel los war aber noch nie“, meinte der Büttgener, als er gegen 13 Uhr am Samstagmittag durch den großen Torbogen in den Innenhof von Gut Gnadental blickte und das muntere Treiben des 4. Tandem-Tags begutachtete.

Fritz Beikirch muss es wissen. Schließlich ist er gemeinsam mit Hans-Peter Nilges Mann der ersten Stunde hinter den radsportlichen Aktivitäten der Initiative Tandem und deshalb bei jedem Tandem-Tag dabei. Auch David Zülow staunte: „Ich war ja schon auf einiges gefasst, aber das hatte ich nicht erwartet.“ Eigens aus München angereist, erlebte der Sohn von Burkhard Zülow, dem im Herbst vergangenen Jahres viel zu früh verstorbenen Gründer und Motor der Initiative, seinen ersten Tandem-Tag auf dem elterlichen Gut. „Da hat mein Vater wohl die richtige Vision gehabt“, meinte David Zülow und dachte dabei insbesondere an die Tatsache, „dass die Behinderten hier nicht vorgeführt werden sondern selber etwas vorführen.“

In der Tat. Trotz reichlich Prominenz unter den Gästen mit Lutz Lienenkämper MdL und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke an der Spitze – im Mittelpunkt des sechsstündigen Festes standen die, die das ganze Jahr über im Rahmen der Initiative Tandem Sport treiben, ob auf der Judomatte, dem Voltigierpferd, im Kanu oder auf einem der 15 Tandems, von denen einige inzwischen unter Verschleißerscheinungen leiden. So musste WDR-Moderator Bernd Müller die sechs Kilometer lange Radtour zum Auftakt mit festgestellter Handbremse absolvieren, zum Glück ebenso tatkräftig wie schweißtreibend unterstützt von der Abordnung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die den Radkorso ebenso begleitete wie drei Beamte der Kreispolizeibehörde. „Ehrenamtlich in ihrer Freizeit“, wie die an diesem Tag vielbeschäftige Hausherrin Jutta Zülow feststellte. Die sich zwar über viele bekannte Gesichter unter den Gästen, am meisten aber über den Spaß und Eifer freute, mit dem die behinderten Sportler bei der Sache waren.

So wie Dirk Fink. „Ich find’s jedes Jahr Klasse hier“, sagt der Tischtennisspieler aus dem Team der Gemeinnützigen Werkstätten (GWN), der im Juni die deutschen Farben bei den Special Olympics European Games in Athen vertritt. Da kam ihm die zusätzliche Trainingseinheit mit den Regionalliga- und Oberligacracks Michael Servaty (DJK Holzbüttgen), Ken-Julian Oberliessen und Bernd Forelle (beide TG Neuss) nicht ungelegen, auch wenn der Wind manchen angeschnittenen Ball von der Plate blies. Kaum hatte das Trio seine Schläger eingepackt, schaute auch Zweitliga-Spielerin Lara Broich (TuS Uentrop) zu einem Spontanbesuch vorbei.

Ebenso spontan war am Morgen Ex-Nationalspieler Wolfgang Funkel gekommen, um den Anstoß zum integrativen Fußballspiel vorzunehmen. Das endete, umsichtig geleitet von Schiedsrichter Günther Piolot, mit 3:3 und dem obligatorischen Elfmeterschießen. Sieger waren freilich alle an diesem Tag.

FOTO: Andreas Woitschützke (WOI)

3. Tandemtag am 1. Mai 2010

Tandem-Tag verbindet Schauen und Mitmachen

Von Volker Koch – Was haben Kanufahren, Judo und Voltigieren gemeinsam? Alle Sportarten können auch von Behinderten ausgeübt werden – vorausgesetzt, sie leben im Rhein-Kreis. Denn hier gibt es die „Initiative Tandem“, und die hat es sich zum Ziel gesetzt, das gemeinsame Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern.

Dass ihr das gelungen ist, seit die Initiative vor fünf Jahren vom Neusser Unternehmerehepaar Jutta und Burkhard Zülow ins Leben gerufen wurde, stellt sie alljährlich beim großen „Tandem-Tag“ auf Gut Gnadental unter Beweis. Die morgige dritte Auflage wird dabei eine ganz Besondere sein: „Tandem“ wurde in die Veranstaltungsreihe „365 Orte im Land der Ideen“ aufgenommen: Jeden Tag werden dabei besonders innovative und zukunftsweisende Ideen und Projekte in Deutschland ausgezeichnet.

Die Überreichung der Urkunde mit der Unterschrift von Bundespräsident Horst Köhler ist zwar Bestandteil des morgigen Programms. Doch sie soll keineswegs im Mittelpunkt stehen: „Das wichtigste an diesem Tag ist das Miteinander“, sagt Initiatorin Jutta Zülow, Das gilt nicht nur für Behinderte und Nicht-Behinderte, sondern auch für Zuschauer und Aktive: Jeder kann am Tandem-Tag von der einen in die andere Rolle und wieder zurück schlüpfen.

Auf dem Programm stehen die zur „Initiative Tandem“ gehörenden Sportarten Radfahren, Kanu, Voltigieren und Judo, außerdem gibt es Tischtennis, einen Hockeyparcours, Ponyreiten, Ringen, Torwandschießen und einen Rollstuhlparcours mit der Möglichkeit, den Rollstuhlführerschein zu erwerben. Natürlich können auch die Spezialtandems ausprobiert werden. Passend dazu bietet die Kreispolizeibehörde eine Fahrradcodierung an.

Prominenz hat sich gleichfalls angesagt. Das beginnt schon um 10 Uhr, wenn sich ein Fahrradkorso mit einem Dutzend Tandems auf den Weg vom Vinzenz-von-Paul-Wohnheim in Meertal Richtung Gut Gnadental machen wird – mit dabei Radprofi Andreas Beikirch, aber auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Um 11 Uhr nimmt Ex-Profi Wolfgang Funkel den Anstoß zum „integrativen Fußballspiel“ auf der Bezirkssportanlage Gnadental vor. Von 12 bis 16 Uhr wird’s dann im Innenhof des Gutes sportlich, unter anderem mit einem Tischtennis-Schaukampf, bei dem die Zweitliga-Spielerinnen Lara Broich, NGZ-Sportlerin des Jahres 2008, und Margit Freiberg-Nolten, Zweite der NGZ-Sportlerwahl 2009, ihr Können gegeneinander und gemeinsam mit den Paralympics-Teilnehmern der GWN zeigen. Getreu dem Motto: „Das wichtigste an diesem Tag ist das Miteinander“.

Quelle: NGZ

FOTO: Andreas Woitschützke (WOI)

2. Tandemtag am 2. Mai 2009

„Sportlertreff“ der anderen Art

Alle waren Sieger

VON VOLKER KOCH – Als der letzte Elfmeter im Netz zappelte, stürmten die Roten den Strafraum, als ob sie die Champions League gewonnen hätten. Doch Sekunden später lagen sie sich mit den Gelben in den Armen – schließlich war das Endergebnis das Nebensächlichste an diesem Fußballspiel, mit dem der zweite „Tandem-Tag“ seinen Anfang nahm. Im Vordergrund stand eindeutig der Spaß – beim Veranstalter, der Initiative Tandem, den Gastgebern, dem Neusser Unternehmer-Ehepaar Jutta und Burkhard Zülow, den mehr als 500 Besuchern, die im Laufe des Nachmittags Gut Gnadental bevölkerten, vor allem aber bei den (geistig) behinderten Sportlern, für die das alles organisiert worden war.

Zwar turnten sie „nur“ auf dem Holzpferd, doch auch die Vorführungen der Voltigierer zogen die Besucher beim zweiten Tandem-Tag aúf Gut Gnadental in ihren Bann.Gegen 16.30 Uhr, der letzte Tombola-Preis, ein Trikot mit den Unterschriften der Fußballer von Bayer 04 Leverkusen, war gerade an den Gewinner gebracht worden, zog eine leicht erschöpfte Jutta Zülow ein überaus zufriedenes Fazit: „Die Premiere übertraf schon unsere Erwartungen, die heutige zweite Auflage war noch besser.“ Und das lag nicht nur daran, dass in den sechs Stunden zwischen dem Start der ein Dutzend Tandems am Vincenz-von-Paul-Wohnheim in Meertal und dem Ende des Sportfestes im Innenhof von Gut Gnadental ohne Unterlass die Sonne schien, ganz im Gegensatz zur verregneten Premiere.

Der „Tandem-Tag“ hat sich bereits bei der zweiten Auflage zu einem echten „Sportlertreff“ des Rhein-Kreises entwickelt. Egal, ob Joachim Kurth, Maciej Dmytruszynski und Michiel Lochtenbergh vom Handball-Bundesligisten TSV Dormagen, ob die „NGZ-Sportlerin des Jahres“, Lara Broich, die gemeinsam mit Ran Wei, dem chinesischen Spitzenspieler der TG Neuss, die hohe Kunst des Tischtennisspielens vorführte, zu zweit und im gemischten Doppel mit den Special-Olympics-Aktiven der GWN, ob Radprofi Andreas Beikirch, der seinen Besuch mit einer Trainingsfahrt vom heimischen Titz aus verbunden hatte – sie alle fühlten sich sichtlich wohl. „Das hat Spaß gemacht“, bilanzierte auch Gerd Motes, der mit den jugendlichen Ringern des KSK Konkordia Neuss erstmals zu Gast beim Tandem-Tag war und nichts dagegen hätte, die Kernsportarten der Initiative – Radfahren, Kanu, Judo und Voltigieren – um (s)eine Disziplin zu erweitern: „Was beim Judo geht, sollte eigentlich auch bei uns funktionieren.“ Zumal der Ringer-Bundesligist sich ohnehin bei vielen sozialen Projekten engagiert, „gestern waren wir noch in Holzheim“, wusste Motes zu berichten. Dass es beim Judo funktioniert, zeigten auf den gleichen Matten die Schützlinge von Brigitte Laskowski, derweil die Voltigierer des RSV Grimlinghausen auf dem Übungspferd beeindruckten. „Um ein richtiges Pferd einzusetzen, waren heute die Wiesen zu nass“, erläuterte Marlies Klüter, die „gute Seele“ des Nixhof, warum ihre Schützlinge auf den „Holzkamerad“ zurückgriffen. Eher im Verborgenen gelegen, aber keineswegs weniger gut besucht war der Rollstuhlparcours – immerhin 50 Probanden erwarben ihren Rollstuhlführerschein.

Und die Fußballer? Die hatten so viel Spaß, dass sich die GWN-Spieler und die des B-Ligisten DJK Eintracht Hoeningen, die zu gleichen Teilen die „Gelben“ und die „Roten“ bildeten, nach einem 5:5 und anschließendem Elfmeterschießen gleich für ein Rückspiel im August in Hoeningen verabredeten. Da hatte der Tandem-Tag gleich zu Beginn schon seinen Sinn und Zweck erfüllt.

Quelle: NGZ

FOTO: Andreas Woitschützke (WOI)

1. Tandemtag am 17. Mai 2008

Kümmerer gesucht

VON VOLKER KOCH  – So ein Tandem zu bewegen kann ganz schön anstrengend sein. Die Teilnehmer am ersten Tandemtag, die Mitte Mai eines der dreirädrigen Spezialgefährte vom Neusser Markt bis zum Gut Gnadental steuerten, können ein Lied davon singen.

Möglich, dass der ein oder andere Dieter Patt davon berichtet hat. Denn einer Initiative des Landrats und einer stattlichen Spende der Sparkasse Neuss hat die „Aktion Tandem“ ihre neueste Anschaffung zu verdanken: einen neunsitzigen Kleinbus nebst großzügig bemessenem Anhänger.
„Damit sind wir jetzt deutlich mobiler und können unsere Aktivitäten auch in Richtung Freizeitgestaltung für die Behinderten ausbauen“, sagt Martin Limbach. Der Geschäftsstellenleiter des Kreissportbundes Neuss (KSB) koordiniert das Projekt, das Behinderte und Nicht-behinderte zum gemeinsamen Sporttreiben zusammenbringt. Noch – denn mittelfristig soll es einen eigenen Projektleiter für die „Aktion Tandem“ geben.
Einen „Kümmerer“, sagt Angelika Quiring-Perl. Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Neuss und Schirmherrin der Aktion, selbst Mutter eines behinderten Sohnes, weiß aus Erfahrung, dass das eine Menge Arbeit mit sich bringt: „Das wird ehrenamtlich nicht zu leisten sein“, ist sie überzeugt. Denn nur damit, die Behinderten mit dem neuen Bus zum Training und wieder nach Hause zu fahren, sei es nicht getan. „Die brauchen jemanden, der sie anleitet und betreut.“
Thomas Gindra, als Sportlehrer bei den Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) Fachmann für den Umgang mit geistig Behinderten, kann dem nur beipflichten: „Die nutzen zwar die Sportangebote in unserer Einrichtung, aber danach fahren sie nach Hause und machen die Tür hinter sich zu.“
Genau aus dieser Isolation will die „Aktion Tandem“ die Behinderten jedoch holen. „Unser mittelfristiges Ziel ist der Aufbau eines Angebotskalenders, der die Angebote von Sportvereinen für Menschen mit Behinderung zusammenfasst und ihnen so die Teilhabe am Freizeitleben in Sportvereinen ermöglicht“, sagt Limbach. Der KSB ruft seine mehr als 400 Mitgliedsvereine deshalb auf, solche Angebote zu unterbreiten: „Menschen, die selbstständig mit und ohne ambulante Betreuung leben, soll der Besuch einer Sportstunde im Verein angeboten werden,“ sagt Limbach.
Der Sportbund arbeitet dabei nicht nur eng mit der Kokobe, der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung in Neuss zusammen. Er hat auch eine eigene Planstelle für diese Arbeit eingerichtet: Lena Hilgers (19), die im Grevenbroicher „Haus des Sports“ ein freiwilliges soziales Jahr ableistet, soll sich hauptsächlich um diesen Aufgabenbereich kümmern.
Auf Dauer, ist Angelika Quiring-Perl überzeugt, wird dieses Engagement jedoch nicht ausreichen. Sie hat sich deshalb Gedanken gemacht, wie man einen hauptamtlichen „Kümmerer“ finanzieren kann und ist dabei auf das „persönliche Budget“ gestoßen, das jedem Behinderten per Gesetz seit dem 1. Januar diesen Jahres zusteht und das bei Institutionen wie Sozialämtern beantragt werden kann.
„Im Rhein-Kreis Neuss haben bisher erst vier Behinderte einen Antrag gestellt“, weist sie auf erhebliche Informationsdefizite in diesem Bereich hin. Legten künftig die betroffenen Behinderten ihre „persönlichen Budgets“ zusammen, könne ein solcher „Kümmerer“ bezahlt werden.
Unabhängig davon will sich der KSB mit Unterstützung des Landrats um weitere Zuschüsse des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) bemühen, der der Aktion bislang mit 4 000 (von 20 000 beantragten) Euro unter die Arme greift. Vielleicht schauen die Tandem-Leute ja mal beim LVR in Köln vorbei – der neue Bus macht’s möglich

Quelle: NGZ

FOTO: Andreas Woitschützke (WOI)