Foto: Andreas Woitschützke
Gestern wurde der Unternehmer Burkhard Zülow zu Grabe getragen. 600
Trauergäste folgten seinem Sarg. Der Beerdigung auf dem Friedhof ging
eine emotionale Trauerfeier auf Gut Gnadental voraus. Dieter Patt,
Landrat a. D., skizzierte den Lebensweg des "evangelischen
Flüchtlingskindes".
Der große Abschied von Burkhard Zülow
(66) glich dem verstorbenen Unternehmer: unkonventionell, emotional,
großherzig. Gut Gnadental, Sitz der Zülow AG, steht für sein Lebenswerk –
das große "Z", zu dem sich die Ziegel auf dem Dach formieren,
inklusive. Dorthin kehrte "Der Alte" – wie ihn seine Mitarbeiter riefen –
gestern ein letztes Mal zurück. Der mit vielen Blumen dekorierte Sarg
stand in der offenen, kleinen Kapelle, die 600-köpfige Trauergemeinde
saß und stand auf dem Innenhof. Seit 1996 besitzt die Familie Zülow Gut
Gnadental, restaurierte es liebevoll und baute es zu einem Ort der
Wirtschaft, Kunst und Begegnung aus.
Ganz in diesem Geist war auch
die Trauerfeier angelegt, die mit Msgr. Johannes Börsch ein enger Freund
der Familie gestaltete. Der frühere Direktor des Marianums in Neuss und
heutige Pfarrer am Altenberger Dom bezeichnete den Verstorbenen als
eine Persönlichkeit, die fest auf dem Fundament christlicher Werte
stand, doch zeitlebens ein Suchender blieb. So habe der evangelische
Christ Zülow das Gespräch auch mit katholischen Geistlichen sehr
geschätzt.
Burkhard Zülow gehörte zu den großen
Unternehmerpersönlichkeiten in Neuss. Er war im Zusammenspiel mit seiner
Frau Jutta wirtschaftlich erfolgreich und zugleich oftmals strahlender
Mittelpunkt in der Gesellschaft. So wurde auch seine Beerdigung zu einem
gesellschaftlichen Ereignis. An seinem Sarg trauerten auch Freunde und
Bekannte, die von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Ex-Minister Ingo
Wolf angeführt wurden. Zülow war in seinem Italien-Urlaub am 25.
September verstorben.
Den Lebensweg Zülows, der als evangelisches
Flüchtlingskind aus Pommern ins katholische Neuss kam, zeichnete
Landrat a. D. Dieter Patt nach, der als Künstler auf Gut Gnadental in
seinem Atelier arbeitet. Er und Zülow wurden Freunde. Diese Freundschaft
nannte Patt "unerschütterlich", dennoch hätten sie sich bis zuletzt
respektvoll gesiezt. Patt: "Ich verneige mich. Mein Freund, ich sage
danke!"
Für die Mitarbeiter war Burkhard Zülow ein zuverlässiger
Chef, vielen ein Freund und oftmals ein väterlicher Ratgeber. So
formulierte es Jürgen Schroeder, der im Namen der Belegschaft der Witwe
versprach: "Wir stehen auch in Zukunft zu 100 Prozent hinter Ihnen."
Starke
Worte fand Sohn David, der seinen Vater als herzlichen
Familienmenschen, als Ehemann, Papa und Opa vorstellte; dabei
persönliche Erinnerungen schilderte: "Gut Gnadental war sein Lebenswerk.
Die Familie war sein Leben."
Mit Sonderbussen der Stadtwerke
wechselte die Trauergemeinde zum Friedhof, wo Burkhard Zülow in der
Familiengruft beigesetzt wurde, die er erst vor wenigen Wochen erworben
hatte. An seinem Grab standen neben seiner Frau und seinem Sohn auch
seine Mutter Johanna und seine Tochter Nadia. Die erfolgreiche Reiterin
erreichte gestern zumindest eine gute Nachricht: Ihr Mann Marcus Ehning
war in der Nacht mit der deutschen Springreiter-Equipe in den USA
Weltmeister geworden.
von Ludger Baten © NGZ ONLINE GmbH 1995 - 2010